Mit dem Start der Krankenhausseelsorgeausbildung setzte DITIB 2022 einen wichtigen Schritt für den Aufbau professioneller islamischer Seelsorgestrukturen in Deutschland.
Wenn Menschen mit Krankheit, Verlust, Angst oder dem Tod konfrontiert werden, entstehen Fragen, die weit über medizinische Versorgung hinausgehen. Gerade in solchen Momenten wünschen sich viele muslimische Patientinnen und Patienten eine seelische Begleitung durch Menschen, die ihre Sprache, ihre religiösen Bezüge und ihre Lebenswirklichkeit verstehen.
Mit diesem gesellschaftlichen Bedarf begann DITIB im Jahr 2022 einen neuen Weg: den Aufbau einer curricular und wissenschaftlich fundierten Ausbildung für islamische Krankenhausseelsorge in Deutschland.
Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung in der DITIB-Zentrale in Köln wurde das Projekt erstmals öffentlich vorgestellt. Für die Ausbildung wurde ein wissenschaftlicher Beirat mit Fachpersonen aus unterschiedlichen theologischen, akademischen und praktischen Bereichen aufgebaut. Ziel war es von Beginn an, Seelsorge nicht nur als religiöse Begleitung, sondern als professionelles, praxisnahes und gesellschaftlich relevantes Handlungsfeld zu etablieren.
Die Ausbildung richtete sich an Theologinnen und Theologen, die Menschen in besonders sensiblen Lebenssituationen begleiten sollen — professionell, empathisch und reflektiert. Dabei standen nicht nur spirituelle Inhalte im Mittelpunkt, sondern auch kommunikative, psychologische und praktische Kompetenzen für den Klinikalltag.
Mit über 400 theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten entstand ein modular aufgebautes Curriculum, das sich an den Bedürfnissen muslimischer Patientinnen und Patienten in Deutschland orientierte. Gleichzeitig markierte das Projekt einen wichtigen Schritt für die institutionelle Entwicklung islamischer Seelsorge innerhalb der deutschen Religionslandschaft.
Verschiedene Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kirche und islamischer Theologie beschrieben die Ausbildung als zukunftsweisenden Schritt. Besonders hervorgehoben wurde, dass islamische Seelsorge in Europa noch ein vergleichsweise junges Arbeitsfeld ist und es langfristig strukturierte Ausbildungswege, Qualitätsstandards und institutionelle Kooperationen benötigt.
Für DITIB bedeutete der Start der Ausbildung weit mehr als die Durchführung eines einzelnen Projekts. Vielmehr entstand damit ein Grundstein für den Aufbau professioneller islamischer Seelsorgestrukturen in Deutschland — mit dem Ziel, Menschen in schwierigen Lebensphasen seelisch zu begleiten und muslimische Wohlfahrtsstrukturen nachhaltig weiterzuentwickeln.
